Fragen & Antworten

Wo kommen Sie her?
Ich wurde in den USA geboren und habe meine ersten Lebensjahre dort verbracht. Es folgten viele weitere Stationen – Frankreich, wo ich zur Schule gegangen bin, dann London und Wales, ein Ländchen, mit dem ich mich schon wegen meines Familienhintergrunds sehr verbunden fühle, und wieder die USA. Studiert habe ich in Tübingen und Berlin (Literatur und Geschichte). Da ich nun seit 1991 permanent in Berlin wohne, ist Berlin wohl meine Heimat!
      

Wo leben Sie jetzt?
In Berlin-Tiergarten, ein Steinwurf vom Spreeufer, vom großen grünen Park und vom Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, entfernt! Diese Umgebung lädt geradezu zum Träumen ein.
           

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?
Mein erstes Werk war ein kleiner diktierter Text, vielleicht 20 Zeilen lang, der eine Szene aus dem Disney-Film „Fantasia“ beschrieb. Das war der Abschnitt mit den Dinosauriern, den ich nach wie vor sehr eindrucksvoll finde! Ich war damals sechs Jahre alt. Mit acht Jahren, wo ich in Frankreich zur Schule ging und mit meiner Familie ganz Europa vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer bereiste, schrieb ich schon ganze Romane in meinem Kopf. Mit 12 schrieb ich zwei kurze und recht lustige Schulromane sowie ein paar Drehbücher, die meine Freunde und ich in der Schule verfilmten. Es folgten viele Kurzgeschichten, ein kurzer Roman und dann – als ich zwischen ca. 14 und 17 war – drei Versuche, einen richtig langen und anspruchsvollen Fantasy-Roman zu schreiben. Hätte ich ihn vollendet, wäre er über 1.000 Seiten lang geworden! Heute liegt das alles in einer Kiste verwahrt – wo es auch bleiben wird! Dennoch ist vieles davon gar nicht schlecht und der eine oder andere Aspekt wird bestimmt in künftigen Büchern wieder auftauchen.
         

Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Nur wenige Autoren können ganz vom Schreiben leben. Deswegen arbeite ich gleichzeitig als Übersetzer, Dolmetscher, Sachbuchautor und – jeden Sommer – als Uniprofessor. Meine Hobbies sind Wandern, Reisen, Kochen, Kino, Theater und natürlich Lesen.
        

Was sind Ihre Lieblingsbücher?
Als Kind und Jugendlicher habe ich mich ganz besonders für Abenteuer- und Science-Fiction-Bücher begeistert. Ich denke dabei vor allem an Madeleine L’Engles „Zeitfalte“ und die „Tripod“-Bücher von John Christopher. Später las ich H.G. Wells und fast alle Jules Verne-Bücher. Roald Dahls lustig-düstere Erzählungen bringen mich noch heute zum Lachen. Ein ganz besonderer Einfluss sind nach und vor die Tim & Struppi-Comics von Hergé, dazu die Fantasy-Bücher von C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien. Was die deutschen Jugendbuchautoren betrifft, halte ich sehr viel von Erich Kästner und Otfried Preußler, dessen „Krabat“ wohl immer die Nummer 1 sein wird. Mit Cornelia Funke setzt die deutsche Jugendliteratur neue Standards. Time Magazine hat sie doch 2005 zu einem der „100 einflussreichsten Menschen der Welt" erklärt!
        

      

Woher bekommen Sie Ihre Ideen?
Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Es ist vielmehr so, dass die Ideen mich aussuchen! Für mich beginnen Geschichten meistens mit einem Bild – oder mit einem Zusammenspiel von Bildern und Gefühlen. Z.B. begann „Nachtflug zum Kilimanjaro“ mit den Bildern „Ostafrika“, „Flugzeug“, „Familie“ und „Kilimanjaro“. Die eigentliche Geschichte verdichtet sich dann um diese Kernpunkte. Sie nährt sich aus unseren Erfahrungen, Träumen, Wünschen, Gefühlen, Ängsten und Beziehungen. Insofern fällt es vielen Schriftstellern nicht weiter schwer, ganze Romanhandlungen in wenigen Minuten zu entwerfen. Das ist wahrlich keine Kunst. Wenn die Geschichte erst mal steht, gilt es dann, sie in eine Form zu bringen, die ein Leser, der meine Erfahrungen und Träume nicht teilt (kann ich ja nicht erwarten!), begreifen kann, und das ist ein ganz anderer Prozess. Er heißt „Schreiben“! Und dann wird’s interessant...
        

Haben Sie die Ereignisse in Ihren Büchern selbst erlebt?
Ganz so nicht. Allerdings habe ich fast alle Orte, die in der „Korongo“-Serie vorkommen, selber während drei längeren Afrikareisen besucht und gründlich recherchiert. Ich bin beispielsweise kreuz und quer über Ostafrika auf dem Kopilotensitz einer einmotorigen Cessna geflogen! Josephs Abschiedsfete in „Nachtflug zum Kilimanjaro" ist einem Festessen im Haus eines afrikanischen Bischofs im tansansichen Morogoro nachempfunden. „Im Reich Ngassas" und „Treffpunkt Sansibar" habe ich direkt vor Ort am Victoriasee bzw. auf Sansibar und Pemba recherchiert. Die Ideen für mein neues Kinderbuch, "Die Schlafburschen", stammen natürlich weitgehend aus meinen eigenen Erfahrungen in der Großstadt Berlin. Und so weiter... Ohne gründliche Recherchen und persönliche Erlebnisse wäre es sehr schwer, eine glaubwürdige Geschichte zu schreiben und ich hätte ein schlechtes Gefühl dabei.
          

Wo schreiben Sie? 
Hauptsächlich auf dem Laptop bei mir zu Hause, manchmal in Berliner Cafés und mit Vorliebe auf der Veranda meiner Eltern im Hochsommer, wenn die Zikaden singen. Es ist aber nicht wichtig, WO man schreibt, sondern nur DASS man schreibt.
          

Was ist Ihre Lieblingsfarbe?
Blau – Himmelblau und Kobaltblau.
        

Haben Sie Kinder?
Ich habe Zwillinge, einen Jungen und ein Mädchen, die gerade ihr Studium in England aufgenommen haben. Ich bin sehr stolz auf sie! Obwohl ich nicht weiß, ob sie später Schriftsteller werden, freue ich mich, dass sie die Literatur genauso lieben wie ich.
        

Haben Sie Haustiere?
Natürlich – einen grauweißen Maskenperser namens Andy, der mein engster Vertrauter und Mitarbeiter ist. Er war selbstverständlich auch die Inspiration hinter "Dick Whittingtons Katze", meiner neuen Nacherzählung der alten englischen Legende, die ich zusammen mit meiner Illustratorin Lisa-Maria Graf herausgeben habe.
       


Andy

Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Englisch und Französisch, dazu alles, was mit Ideen und Geschichten zu tun hatte. Naturwissenschaft hat mich auch sehr interessiert. Mein absolutes Mistfach war Mathe – meine Lehrer tun mir noch heute leid.
        

Was ist Ihr Lieblingsfilm?
Eindeutig Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“, eine poetische Meditation über die Menschheit, das Schicksal und das Ewige. Weitere Filme auf meiner Bestenliste sind „Barry Lyndon“, „The Wicker Man“, „Unter der Sonne der Toskana“, die „Herr der Ringe"-Trilogie, „Der Untergang", alles von Jim Jarmusch sowie Wim Wenders’ „Der Himmel über Berlin“.
             

Wofür steht das „A." in Ihrem Namen?
Für Alan. „Alan Wallis Lloyd" wäre aber zu lang, finden Sie nicht? Der Name "Lloyd" stammt übrigens vom walisischen Wort „llwyd" und heißt „grau". Daher das graue Format dieser Seiten.

Was kann man gegen Schreibblockaden tun?

Schreibblockaden entstehen vorwiegend dann, wenn die Geschichte nicht stimmt und man nicht mehr daran glaubt. So einfach ist das. Meistens verschwindet das Problem, wenn man die Geschichte neu durchdenkt und sich fragt, warum man ausgerechnet diese Geschichte schreiben will (und muss). Das gelingt mir meistens nach einem langen und einsamen Spaziergang im Wald. Wenn ich nicht 100prozentig überzeugt von der Richtigkeit und Notwendigkeit eines Projekts wäre, würde ich kein einziges Wort zu Papier bringen können.          

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?
Ich schaffe es meistens, den ersten Entwurf eines Romans in drei bis vier Monaten zu schreiben. Danach kommt die Überarbeitung und das kann genauso lang und sogar viel länger dauern. Muss es auch, wenn das Buch etwas taugen soll! Momentan erscheinen meine Bücher im Halbjahresrhythmus und dieses Tempo passt mir sehr gut.
                

Welche Ratschläge können Sie an angehende Autoren erteilen?
An sich und Ihr Projekt glauben und niemals aufgeben! Moralische und praktische Unterstützung von Ihren Freunden und Ihrer Familie heranholen! Viel lesen und von den Meistern lernen! Und vor allem: schreiben, und zwar jeden Tag, auch wenn’s nur ein paar Zeilen sind! Ansonsten taugen meine Ratschläge wenig, denn das Schreiben ist ein Weg, den letztendlich jeder allein gehen muss.